Liebe Gemeindemitglieder
Nach den Sommerferien beginnt für viele von uns wieder ein neuer Abschnitt. Der Alltag nimmt Fahrt auf, Termine füllen den Kalender, Projekte werden geplant und manches soll möglichst schnell vorangehen. Oft haben wir den Wunsch, dass Veränderungen sofort sichtbar werden – in unserem Leben, in unserer Kirche oder auch in der Welt.
Der Jesuit Pierre Teilhard de Chardin erinnert uns mit seinem Satz an eine andere Wirklichkeit: „Vertraut der langsamen Arbeit Gottes.“
Gottes Wirken geschieht häufig anders, als wir es erwarten. Es wächst wie ein Samenkorn, das im Verborgenen keimt. Es braucht Geduld, Zeit und Vertrauen. Vieles entwickelt sich Schritt für Schritt– Beziehungen, Glaube, Gemeinschaft oder auch der Mut, neue Wege zu gehen. Was heute klein erscheint, kann morgen Früchte tragen.
Gerade in unserer Zeit fällt Geduld nicht leicht. Wir sind gewohnt, schnelle Antworten und sofortige Ergebnisse zu erhalten. Doch das Evangelium erzählt immer wieder von einem Gott, der Menschen begleitet, ihnen Zeit lässt und ihnen zutraut, zu wachsen. Gott drängt nicht– er geht mit.
Auch unser Gemeindeleben lebt von dieser Hoffnung. Vieles entsteht nicht über Nacht, sondern wächst durch viele kleine Zeichen des Engagements: durch Menschen, die ihre Zeit schenken, zuhören, miteinander beten, musizieren, organisieren oder einfach da sind. Aus vielen unscheinbaren Beiträgen entsteht eine lebendige Gemeinschaft.
Im September dürfen wir dies auf besondere Weise erleben. Wir feiern 10 Jahre Jesuit Worldwide Learning (JWL) – ein Projekt, das Menschen durch Bildung neue Perspektiven eröffnet und Hoffnung wachsen lässt. Beim ökumenischen Gemeindenachmittag beschäftigen wir uns mit dem Dialog zwischen Christinnen und Christen und Musliminnen und Muslimen. Auch echter Dialog braucht Zeit. Vertrauen wächst nicht auf Knopfdruck, sondern durch Begegnungen, gegenseitiges Zuhören und den ehrlichen Wunsch, den anderen zu verstehen.Vielleicht ist das die Einladung dieses Herbstes: nicht ungeduldig auf das zu schauen, was noch nicht gelungen ist, sondern dankbar wahrzunehmen, was bereits wachsen durfte – und darauf zu vertrauen, dass Gott sein Werk in uns und durch uns weiterführt.
Wir wünschen Ihnen einen gesegneten September, viele bereichernde Begegnungen und immer wieder die Gelassenheit, der langsamen Arbeit Gottes zu vertrauen.
Mit herzlichen Segensgrüssen
die Gemeindekoordination St-Boniface
