Kolping – Geschichte

Fridolin Glarner
Monique Küng
Jahresprogramm 2016

Die Kolpingfamilie

Der Priester Adolph Kolping gründete 1849 den kath. Gesellenverein, nachdem er zuvor als Schuhmachergeselle die Not der wandernden Handwerker am eigenen Leibe kennengelernt hatte.

Das internationale Kolpingwerk ist heute in über 60 Ländern der Erde mit 150'000 Mitgliedern vertreten. Der Verband gliedert sich in örtliche Gruppen, die sogenannten Kolpingfamilien. Sie wiederum sind in Diözesan- und Nationalverbänden zusammengefasst. Zur Zeit gibt es weltweit etwa 5'000 Kolpingfamilien.

Der Gesellenverein Genf (gegründet 1885)

Der Gründer der Kolpingfamilie Genf war Abbé Blanchard. Er sah, dass die aus der Deutschschweiz, aus Deutschland und Oesterreich hergereisten Handwerksburschen unbedingt eine Stätte der Begegnung haben sollten und so gründete er am 1. Juni 1885 den Gesellenverein Genf.

Hier konnten sich die Handwerksburschen mit Gleichgesinnten treffen, sich auch religiöser und geistiger Schulung widmen und vor allem ein Heimgefühl finden. Die Leitgedanken waren «Religion und Tugend, Arbeitsamkeit und Fleiss, Eintracht und Liebe, Frohsinn und Scherz». Der damalige Gesellengruss mit Handschlag war «Gott segne das ehrbare Handwerk» und die Antwort darauf war «Gott segne es». An einem späteren internationalen Gesellentag wurde dieser abgeändert in: «Tüchtiger Christ, tüchtiger Berufsmann, tüchtiger Staatsbürger und guter Familienvater». Aus dem Gesellengruss wurde «Treu Kolping» und beantwortet mit «Kolping treu». 

Schwierige Kriegsjahre

Das erste grosse Tief des damaligen Gesellenvereins war, als während des ersten Weltkrieges alle Gesellen zum Militärdienst eingezogen wurden und die gute Stube wieder leer war. Diese traurige Feststellung hatte den Gründerpräses sehr mitgenommen und er ist bald darauf, im Jahre 1915, gestorben. Noch bis in die 1980er Jahre wanderten Gesellen jedes Jahr an Allerheiligen zu seinem Grab auf dem Friedhof von Thônex. 

1917 gründeten die Schweizer Gesellenvereine für Ihre Mitglieder eine eigene, sehr günstige Krankenkasse mit hervorragenden Leistungen.

Anfang der 1930er Jahre zählte der Verein wieder 80 bis 100 Aktivmitglieder, wovon mit 2 Ausnahmen alle dem Handwerkerstand angehörten. Dazu kamen jährlich 150 bis 200 wandernde Gesellen vom Norden und Osten über die Grenzen bis Genf. Hier fanden sie zwei Tage gratis Aufnahme und Verpflegung im Gesellenhaus.

Die Kriegsjahre 1939-45 brachten wieder neue Schwierigkeiten. Am Tag der Mobilmachung blieben noch 4 Gesellen um einen Tisch.

Kolping nicht nur für Gesellen: Eine erste zaghafte Öffnung

Nach dem Krieg wurde der Gesellenverein wieder sehr aktiv und im St.Boniface gab es gar Fachausstellungen der damaligen Handwerkskunst.
Nicht zu vergessen aus dieser Epoche ist der Genfer Oswald Schibli. Die Zentralkonferenz des Schweizerischen Katholischen Gesellenvereins wählte ihn im Jahre 1943 als ersten nicht geistlichen Herren in den Zentralrat. Sofort setzte er sich hartnäckig für die Gründung von Altkolping ein, denn wer verheiratet oder älter als 30 war, durfte nicht mehr im Gesellenverein sein. Dieser Kampf musste bis vor die Bischofskonferenz getragen werden. Bei seinem Rücktritt im Jahre 1960 ist die Altkolping-Gemeinschaft Schweiz bis auf 10'000 Mitglieder angewachsen.

Die Kolping Krankenkasse als soziale Errungenschaft

1975 öffnete sich die Kolping Krankenkasse der gesamten Kolpingfamilie, d.h. es wurden auch Frauen und Kinder aufgenommen. Wenn die Frauen schon in die KK aufgenommen wurden, warum sie nicht auch in den Verein aufnehmen? Im zweiten Anlauf, im Jahre 1978, wurde an einer GV beschlossen, inskünftig auch Frauen in den Verein aufzunehmen. Heute würden die meisten KF ohne den Einsatz der Frauen gar nicht mehr funktionieren.

Pater Max Zürny SJ prägte Kolping in St. Boniface in den 1980er Jahren

Im Laufe der Zeit gab es Hochs und Tiefs. Viele Mitglieder und Präsides sind gekommen und gegangen und einige haben ihre Spuren hinterlassen. 1981 kam Pater Max Zürny SJ. Er war eine sehr gesellige Persönlichkeit mit einer gut verständlichen Sprache. Er hatte ein grosses Wissen und mit ihm konnte man über alles Mögliche diskutieren. In seine Zeit fiel auch die Umstrukturierung im St.Boniface, was nicht besonders sein Lieblingsthema war. Diskussionen über Finanzen und Administration waren ihm stets ein Gräuel. Am Ende einer Sitzung meinte er einmal: «Zu einem Resultat sind wir wohl nicht gekommen, doch die Geister die ich gerufen habe, werde ich nicht mehr los.» Mit dem Wegzug von Max Zürny wurde dann auch der Aktivverein aufgelöst, der am Schluss nur noch aus 3 Mitgliedern bestand.

Kolping und St. Boniface

Heute besteht unsere Kolpingfamilie nur noch aus Altkolping mit ca. 60-70 Mitgliedern und 20 Gönnern. Unser Ziel ist es, den sozialen Gedanken von Adolf Kolping weiter zu tragen und alle, die sich in unserem Kreise wohl fühlen, willkommen zu heissen. Wir fühlen uns mit der Pfarrei St. Boniface sehr eng verbunden und ergänzen uns auch gegenseitig.